MEGA-Mann Hecker

Rezension: Rolf Hecker. Springpunkte. Beiträge zur Marx-Forschung und ‘Kapital’-Diskussion. Berlin: Karl Dietz Verlag GmbH 2018. 318 S.

Ich kenne Rolf Hecker seit einigen Jahren. Ich habe ihn in Helsinki, Berlin, Tokio, Sendai und Yokohama getroffen. Rolf Hecker ist bekannt von seiner Tätigkeit als Forscher und Förderer der MEGA. MEGA ist Marx-Engels-Gesamtausgabe, eine umfassende, vollständige historisch-kritische Ausgabe der Werke, Texte und Manuskripte von Marx und Engels. Sie wird seit den 1970er Jahren publiziert – zuerst in Zusammenarbeit von DDR- und Sowjetmarxisten und später im Rahmen von breiter internationaler Kooperation.

Das Wirken und die Tätigkeit von Rolf sind sehr vielseitig. Er macht Forschung für weitere MEGA-Bände, fördert MEGA-Forschung und Marx-Engels-Kenntnis, organisiert verschiedene Veranstaltungen, mitwirkt an verschiedenen Publikations- und Übersetzungsprojekte usw. Er ist Mitglied von manchen wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen in Deutschland und im Ausland. Er hat zum Beispiel sehr viel Zeit in Japan und in China wegen diesen Verpflichtungen aufgehalten. Er ist ein Mitherausgeber und Redakteur der Schriftenreihe Beiträge zur Marx-Engels-Forschung, die seit 1991 erscheint und was eine reale Schatzkammer für alle Marx- und Marxismus-Forscher ist.

In diesem Jahre (2018) erschien ein interessantes Buch von Rolf: Springpunkte. Beiträge zur Marx-Forschung und ‘Kapital’-Diskussion. In diesem Band sind 19 Aufsätze und Artikel gesammelt. Wir finden in diesem Band verschiedene Themen behandelt, besonders:

  • Die Geschichte des ‘Kapitals’: Entstehung, Überlieferung und Edition der verschiedenen Manuskripte.
  • Engels als Editor des zweiten und dritten Buches des ‘Kapitals’.
  • Differenzen in verschiedenen Editionen des ersten Bandes des ‘Kapitals’.
  • Geschichte von MEGA seit dem Anfang, wenn David Rjazanov Direktor des Moskauer Marx-Engels-Instituts war.
  • Diskussionen über Marx’s Werttheorie.
  • Die frühe Rezeptionsgeschichte von ‘Kapitals’.

Rolf Hecker nennt die Werttheorie als das Fundament der Ökonomischen Theorie von Marx (43). Manche Diskussionen und Debatte sind mit diesem Thema gebunden und einige von denen sind sehr andauernd. In diesem Zusammenhang ist es sehr nützlich die Geschichte zu kennen, z. B. wie Marx die Werttheorie in den verschiedenen Editionen des ersten Bandes des ‚Kapitals‘ entwickelte und vertiefte. Hier kommt man zu den feinen Begrifflichkeiten wie den Unterschied von “Tauschwert“ und „Wert”. Es ist auch interessant zu erkennen, dass Marx die klassische Formuliergun der  abstrakt menschlichen und der konkret nützlicher Arbeit erst in zweiter Auflage (1873) des ‚Kapitals‘ gab. Der Aufsatz “Zur Entwicklung der Werttheorie von der ersten zur dritten Auflage des ersten Bandes des ‘Kapitals’ 1867-1872“ ist in dieser Hinsicht nützlich.

Rolf Hecker in Sendai, Japan den 31. März 2013

Die Aufsätze von Rolf Hecker belichten auch die Diskussionen über die Methode von Marx, z. B. Fragen von dem Verhältnis von Marx und Hegel und von “historischem” und “logischem” im ‚Kapital‘. Es gab einige Debatten schon in der DDR und in der Sowjetunion. Das DDR- und Sowjetmarxismus war nicht so monolithisch, wie man vermuten kann, wenn man nur die Lehrbücher oder Festreden studiert. In einigen Diskussionen werden die heutigen werttheoretischen Debatten antizipiert.

Eine interessante Bewertung von Rolf ist, dass in der DDR die Wertformanalyse zurückhaltend behandelt wurde, weil die Vorstellung herrschte, dass “die Untersuchung der Form das Wesen, die Substanz ausklammere” (44). Er bezieht hier auch auf einen Aufsatz on Georg Backhaus, der für seine Wertformanalyse bekannt ist. Vielleicht ist dieses ein Grund dafür, dass heutzutage die Wertformanalyse und damit zusammenhängende “monetäre Werttheorie” eine einflussreiche Strömung unter den Kapital-Interpretationen ist, besonders in Deutschland. Mir scheint doch, dass man teilweise in andere Extreme in den Diskussionen und theoretischen Konstruktionen geraten ist, als ob man die Marxsche Wertlehre in Wertformanalyse reduzieren könnte. So werden oft die Möglichkeit und die Notwendigkeit der quantitativen Wertanalyse unterschätzt oder sogar “ausgeklammert”.

Neben der Missachtung der Wertformanalyse (nicht nur in der DDR oder Sowjetunion, aber auch im ‚Westen‘) findet man auch Missachtung von quantitativer und substantieller Wertanalyse. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass man in diesen Diskussionen oft nur in die ersten Kapitel des ersten Bandes des ‚Kapitals‘ konzentriert. So werden die komplizierten Fragen, die mit der Reproduktion des Gesamtkapitals und der Wertanalyse im Zusammenhang von gegenseitig abhängigen Wirtschaftszweigen nicht behandelt. Tatsächlich gibt es mehrere Diskurse oder Forschungstraditionen in der von Marx-inspirierten Werttheorie, aber es gibt nicht viel Dialog oder Wechselwirkung zwischen Ihnen. Es zum Beispiel bekannt, dass die DDR- oder Sowjet-Marxisten nicht besonders eifrig waren, die mathematische Formalisierung der Werttheorie zu diskutieren, und dass die mathematischen Methoden zuweilen sogar als „bürgerlich“ gestempelt wurden.

In der Abteilung der frühen Rezeptionsgeschichte des ‘Kapitals’ finden wir interessante Angaben z.B. von etwas exotischen Figuren wie den italienischen Sozialisten und Anarchisten Carlos Cafiero und holländischen Antimilitaristen und Anarchisten Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Vielleicht manchen ist der russische Narodnik Nikolai Danielson, von dessen Korrespondenz mit Marx und Engels in dem Buch auch erzählt wird, besser bekannt. Alles dieses hilft uns besser verstehen, wie reich das Erbe der sozialistischen Bewegungen ist und wie mannigfaltig die Wirkung des ‚Kapitals‘ von Marx war und ist.

Jedenfalls ist das Buch von Rolf eine nützliche Ergänzung zur Marx-Forschung, Kapital-Diskussionen und MEGA-Studien und man kann das Buch an breite Kreise von Forschern empfehlen.

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